Zwei meiner Junk Journals, Nature und Nature Vol.2

Junk Journal - ein kreatives Tagebuch und mehr

Es war das Hobby was eingeschlagen hat wie eine Bombe, gesehen, 2 Stunden später war mein erstes Junk Journal fertig. Meine Reise vom Filofax Union Jack über Filofaxing findet im Junk Journaling ihr Ende. Doch dieses Ende einer Reise ist der Anfang von was Neuem.

Wer etwas Papier, einen Kleber, eine Schere, Nadel und Faden zu Hause hat, kann mit diesem Hobby sofort beginnen.

Erste und einzige Regel: Es gibt keine.

Die Geschichte der Junk Journals: Rebellion aus der Altpapiertonne

Wenn wir diese dicken, nostalgischen Bücher mit ihren kaffeebraunen Seiten, der alten Spitze und den historischen Papieren sehen, denken wir sofort an Urgroßmutters Zeiten. Man hat das Gefühl, diese Kunstform sei jahrhundertealt. Aber das täuscht gewaltig. Das Junk Journal, wie wir es heute kennen und lieben, ist ein überraschend junges Phänomen. Es entstand erst in den späten 2000er Jahren, also grob zwischen 2007 und 2010, als das Internet und die ersten DIY-Blogs groß wurden.

Um zu verstehen, warum dieser Trend überhaupt explodiert ist, müssen wir einen Blick auf die damalige Bastelwelt werfen. In den 1990er und frühen 2000er Jahren gab es einen gigantischen Boom beim klassischen Scrapbooking. Die Industrie dahinter wurde riesig. Uns wurde eingeredet, dass jede Seite perfekt durchgestylt sein muss. Alles musste farblich exakt abgestimmt, säurefrei und archivsicher sein. Man brauchte spezielle Stanzer, teure Designpapiere und jede Menge Plastikkram. Viele Kreative empfanden dieses kommerzielle Korsett irgendwann nur noch als einengend, steril und unbezahlbar.

Aus genau diesem Frust heraus entstand die pure Rebellion gegen den Perfektionszwang. Kreative Köpfe hatten genug vom Konsumwahn und fingen an, das genaue Gegenteil zu tun. Sie griffen zu dem, was ohnehin da war und eigentlich im Müll gelandet wäre. Das war die Geburtsstunde des echten „Junk-Journals“.

Die alten Wurzeln neu belebt

Auch wenn der Begriff neu ist, die Wurzeln des Sammelns sind es natürlich nicht. Die Idee, den Alltag in Papierform festzuhalten, haben wir nur wiederentdeckt. Schon ab dem 17. Jahrhundert führten die Menschen sogenannte „Commonplace Books“. Das waren reine Nutzbücher aus Resten, in denen Zitate, Rezepte oder medizinische Ratschläge landeten. Im viktorianischen Zeitalter, als der Massendruck billiger wurde, klebten die Menschen dann begeistert alles in Alben, was ihnen in die Finger kam. Liebesbriefe, Theaterkarten, gepresste Pflanzen oder bunte Werbebilder.

Der große Unterschied zu heute ist jedoch, dass es damals reine Notwendigkeit oder ein netter Zeitvertreib war. Heute ist es eine bewusste Entscheidung für Nachhaltigkeit, Upcycling und die Wertschätzung von alten Materialien.

Der Wandel: Vom echten Müll zum Kunstwerk

In den Anfangstagen der Bewegung ging es wirklich extrem um den „Junk“, also um den Abfall. Da wurden Müslipackungen als Cover verwendet, alte Rechnungen zusammengeheftet und Prospekte übermalt. Mit der Zeit hat sich das Journaling aber stark weiterentwickelt und die Grenzen sind heute fließend.

Aus den reinen Restebüchern ist eine eigene Kunstform geworden. Viele nutzen zwar immer noch Verpackungen für die Struktur, kombinieren das Ganze aber mit echter Vintage-Spitze, alten Buchseiten aus kaputten Lexika, Stoffresten oder handgeschöpftem Papier. Das Färben mit Kaffee oder Tee gehört mittlerweile fast zum guten Ton, um dem Papier diesen wunderbar gelebten, alten Look zu verpassen.

Egal wie edel ein Junk Journal heute im Einzelfall aussehen mag, der Kern bleibt unverändert. Es ist die Absage an die Perfektion. Es geht um das Machen mit den eigenen Händen, um den Respekt vor dem Material und um die absolute Freiheit, Regeln zu brechen.

Warum unperfekt das neue Perfekt ist

Ich glaube jeder der von diesem "Virus" befallen ist, fragt sich sehr schnell, was mach ich damit, für was setze ich sie ein? Es gibt viele wunderbare Möglichkeiten die Journals zu verwenden.

Als Journal, also als Tagebuch, ob zum Schreiben oder als Art-Journal. Einfach zum Gestalten, als Fotoalbum, als Traum-Journal, als Notizbuch, als Gedichtsbuch, als Natur- und Gartentagebuch, als Erinnerungsalbum.
Es gibt bestimmt noch viele Möglichkeiten ein Junk Journal zu verwenden, denn wir erinnern uns an die Regeln... es gibt keine!!


Für mich sind Junk Journals die Verbindung:
- zwischen Fotografie und Kreativität - Fotobücher für meine Wildlifebilder.
- zwischen Kochen und Kreativität - ein Rezepte JunkJournal
- zwischen meinem Leben und Kreativität - Memories JunkJournal
- nähen in den Journals, das Cover nähen, mit Farben spielen

... und mehr ...

...mehr, verbinde ich auch mit außerhalb des Mainstream, klar könnte ich ein normales Fotoalbum nehmen, oder ein einfaches Heft für meine Notizen, aber warum? Das ist langweilig? Haben, was andere haben, war noch nie meine Intension.
Von daher verwende ich gerne Junk Journals, nicht nur das ich ein individuelles Fotoalbum habe, nein, es ist von Grundauf selber gemacht. Die Größe, die Form, die Farben, das Material... es gibt einfach keine Grenzen, und funktioniert was nicht? Dann ändert man es, oder fängt von vorne an und lernt dabei.
Egal was ich sehe, habe, ich muss es personalisieren... genauso wie diese Webseite.
Es ist meine Art, dem Alltag einen eigenen Stempel aufzudrücken.

Interessante Links:

  • Luise Heinzl, Junk Journal Art
    Von Ihr hab ich die ersten YouTube Videos über Junk Journals gesehen. Eine zeitlang waren die Videos auf deutsch, mittlerweile nur noch auf englisch.
  • Funklkram
    Funkelkram ist ein Shop, aber nicht nur das, Jutta hat auch einen YouTube Kanal mit ganz interessanten Videos. Dieser Kanal ist auf deutsch.
  • Auf Facebook gibt es eine JunkJournal deutsch Gruppe

Kennst Du Junk Journaling?
Hast Du schon eins gemacht? Wie? Für was?
Schreib es mir einfach, ich bin gespannt auf Deine Geschichte.

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