Unterwegs - der neue Hafen in Folkestone mit der Promenade und dem neuen Schild auf dem steht Folkestone, bei strahlendem blauen Himmel.

Schichtwechsel war nie geplant...

... und trotzdem ist er jetzt da. So wie ich da bin.

Als ich diese Seite gebaut habe, gab es zwei Domains. Eine für meine Fotografie. Eine für meine Gedanken über die Natur, über unseren Umgang mit ihr, über die Erkenntnis dass WIR Natur sind. Dass WIR Wildnis sind. Auch wenn echte Wildnis auf dieser Welt kaum noch existiert.

Zwei Seiten für zwei Teile von mir. Klang logisch. War es nicht. Ich tat mich schwer damit. Eine Seite mit Bildern. Eine Seite mit Gedanken. Beide wollen gepflegt werden, beide wollen Zeit, beide wollen, dass man an sie denkt, wenn man eigentlich gerade in der anderen Ecke steht. Und wenn man Teile von sich auf zwei Seiten aufteilt, funktioniert das auf Dauer nicht. Man verzettelt sich. Man vergisst, wo man was hingeschrieben hat.

Man spaltet sich selbst, ohne es zu merken.

ich

Dann kam die Kreativität dazu. Junk Journals, Upcycling, Nähen, Stricken, alles Dinge, die ich wieder für mich entdeckt habe, die aber genauso zu mir gehören wie ein Rehfoto oder ein Gedanke über Wildnis. Und was macht man damit? Noch eine Domain? Noch ein Blog? Noch ein Ort, den man pflegen muss, während die anderen zwei schon liegen bleiben?

Nein. Das funktioniert erst recht nicht.

Schweren Herzens hab ich mich entschieden, Fotografie, Gedanken und Kreatives auf einer Seite zusammenzufassen. Mal eben schnell, dachte ich. Bei den anderen ging's ja auch fix.

Pustekuchen!

Ich kam vom Steinchen aufs Stöckchen. Beiträge exportieren auf den alten Seiten, importieren auf der neuen, die erstmal offline auf meinem Rechner lag. Dem irgendwann alles zu viel wurde. System gewechselt, lief auch nicht glatt (Irgendwas ist halt immer...). Bilder, die ihre Referenz verloren. Beiträge, die anders aussahen als vorher. Kleinkram, der sich zu großem Kram aufgetürmt hat. Ich hab gebastelt und gebaut, getan und gemacht, an Abenden, an denen ich eigentlich hätte schlafen sollen.

Meine Bilder, meine Beiträge, mein Journal, das heute EigenART heißt, mein „Facebook" ohne Algorithmen, durften nicht fehlen. Nur bloß nicht die gleichen Fehler machen wie auf der alten Seite. Stück für Stück hab ich mich durchgekämpft, bis ich am Punkt war, die Seite zu relaunchen.

Nicht mit allem, was ich mir vorgestellt hatte. Manches ist noch Baustelle, manches wird noch dazukommen. Aber mit einer Version, auf der man aufbauen kann. Mit der man arbeiten kann. Und das reicht.

Digitale und menschliche Defragmentierung

Und ich fand Gefallen daran, mich dabei digital zu defragmentieren. Was brauch ich? Was kann weg? Die zwei Seiten waren ja schon weg, es gab nur noch eine. E-Mail-Adressen gelöscht. Accounts gelöscht. Plattformen, auf denen ich Jahre verbracht hatte, ohne dass sie mir je etwas zurückgegeben hätten. Ich hab gemerkt: die Seite half mir auch, mich selbst zu defragmentieren. Meine Gedanken zu sortieren. Und das an einem Ort, nicht verstreut auf fünf.

Aus dem dem nichts, ich sortierte gerade Bilder....

... schrie mich mein Monk an: „WAS IST MIT DEINER ARBEIT?"
Stille.
Meine Arbeit!

Ich kann nicht 22 Jahre meiner Arbeit einfach unter den Tisch fallen lassen, nur weil sie nicht in meine Naturecke passt. Auch nicht in meine Kreativecke. Aber meine Arbeit ist präsent. Zeitlich wie gedanklich. Sie gibt, sie nimmt, und zwar sehr viel. Sie verhindert und sie ermöglicht. Sie fordert, immer wieder, auch dann, wenn ich längst Feierabend haben sollte. Sie hat Ecken und Kanten, wie ich.

Zwischen Truckerromatik und Realität

Sie hat mich vor 20 Jahren in ihren Bann gezogen. Vagabund, quer durch Europa. Portugal, Spanien, Frankreich. England, Irland, Skandinavien. Runter bis Sizilien, und wieder zurück, alles befahren. Mit Maschinen, Paletten, mit Sekt, Nudeln und Toilettenpapier, man mag es manchmal gar nicht glauben was alles durch die Welt gefahren wird.
Dort sein und dafür bezahlt werden, wo andere Urlaub machen. Klingt romantisch. Ist es nicht. Es ist Asphalt, Wartezeiten, Nächte auf Parkplätzen, die keine sind, und Menschen, die man sich nicht aussuchen kann.

Truckerleben - Insel Texel, oberhalb von Amsterdam, Am Strand mit dem berühmten Leuchtturm.
Truckerleben - Insel Texel, oberhalb von Amsterdam, Am Strand mit dem berühmten Leuchtturm.

Sie ist Teil von dem, was ich heute bin. Verändert hat sie sich trotzdem, nicht mal die Arbeit selbst, aber die Bedingungen. Die, mit denen ich es täglich auf den Straßen zu tun habe. Unsere Gesellschaft. Unsere Gesetze, angeblich zum Wohle der Fahrer, in Wahrheit nur zum Schein. Und ich mittendrin, mit offenen Augen, die nicht mehr wegschauen können, wenn ich einmal ein Muster erkannt habe.

Ja, und jetzt ist Schichtwechsel da. Der Bereich, der es mir schwer machen wird, weil ich hier nichts hinter Naturfotos oder schönen Worten verstecken kann. Der meine Kommunikation fordert, mit Euch und mit denen auf der Straße. Der Bereich, in dem ich noch viel lernen darf, über meine eigene Branche, über meine eigene Sprache dafür, über das, was ich zeigen will und was besser für mich bleibt.

Er ist der Teil von mir, der genauso zu mir gehört wie meine Fotografie, wie meine Kreativität, wie meine Gedanken. Nicht die schönste Ecke. Aber eine ehrliche.

Naturspuren. Kreativhütte. Kopfkino. Schichtwechsel.

Was genau hier passieren wird, weiß ich nicht. Lasst Euch überraschen, wie ich mich überraschen lassen muss.

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